Bisher fehlten Erkenntnisse, wie sich die Wechseljahre im Berufsalltag in der Schule auswirken. Eine qualitative Befragung der Frauenvertretung des VBE NRW soll das ändern.
Die Wechseljahre können erhebliche Auswirkungen auf das Berufsleben von Frauen haben. Studien aus der freien Wirtschaft zeigen, dass Frauen bei starken Beschwerden ihre Arbeitszeit reduzieren, ihre Arbeits- und Leistungsfähigkeit beeinträchtigt sein kann oder sie sogar vorzeitig aus dem Beruf ausscheiden.
Für den Arbeitsplatz Schule in Nordrhein-Westfalen fehlten bislang Erkenntnisse dazu, wie sich die Wechseljahre im konkreten Berufsalltag auswirken. Mit einer qualitativen Befragung nimmt die Frauenvertretung des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) NRW diese bislang wenig beachtete Perspektive in den Blick.
Ziel war es, Erfahrungen, Herausforderungen und Bedarfe sichtbar zu machen, für das Thema zu sensibilisieren und Verbesserungen bei den Arbeitsbedingungen anzustoßen.
„Gute Bildung braucht gesunde Beschäftigte. Das setzt gute Arbeitsbedingungen voraus, in jeder Lebensphase. Die Wechseljahre dürfen kein Tabuthema sein. Der VBE NRW setzt sich dafür ein, dass Aufklärung und passgenaue Unterstützungsangebote selbstverständlich zum Arbeits- und Gesundheitsschutz an Schulen gehören.“
Anne Deimel, Vorsitzende des VBE NRW
Es kann nur im Interesse des gesamten Schulsystems liegen, die Gesundheit und Arbeitsfähigkeit der Beschäftigten langfristig zu erhalten. Gerade angesichts des Fachkräftemangels ist es wichtig, erfahrene Kolleginnen gesund im Beruf zu halten und ihre Kompetenz für die Schulen zu sichern.
Die Ergebnisse zeigen zugleich, dass die Belastungen nicht einfach hingenommen werden müssen. Eine stärkere Sensibilisierung von Schulleitungen, eine offene Gesprächskultur und konkrete strukturelle Entlastungen können dazu beitragen, Beschäftigte besser zu unterstützen.
Die Befragung macht dabei deutlich, dass insbesondere Führung und Schulkultur entscheidend dafür sind, ob Wechseljahre offen thematisiert werden können oder unsichtbar bleiben.
„Gesundheitsförderung darf nicht davon abhängen, ob an einer Schule zufällig eine gute Einzellösung gefunden wird. Wir brauchen verlässliche Entlastungsmöglichkeiten und verbindliche Rahmenbedingungen. Die Wechseljahre müssen im Arbeits- und Gesundheitsschutz mitgedacht werden.“
Kristina Hebing, Landessprecherin der VBE-Frauenvertretung NRW
„Gesundes Arbeiten braucht auch ganz praktische Voraussetzungen. Dazu gehören echte Ruhe- und Rückzugsmöglichkeiten und ein wirksamer Gesundheits- und Präventionsschutz. Gleichzeitig müssen wir das Tabu rund um die Wechseljahre brechen. Eine offene und diskriminierungsfreie Schulkultur sowie eine wertschätzende und sensibilisierte Leitungskultur sind dafür entscheidend.“
Julia Kocks, Landessprecherin der VBE-Frauenvertretung NRW
Für die Frauenvertretung des VBE NRW gehören die Wechseljahre als normale Lebensphase deshalb selbstverständlich in den Arbeits- und Gesundheitsschutz. Ziel müssen Arbeitsbedingungen sein, die Gesundheit und Arbeitsfähigkeit sichern, statt Betroffene allein auf individuelle Lösungen zu verweisen.
Die Methodik:
Die qualitative Befragung wurde im Auftrag der Frauenvertretung des VBE NRW von the-change.org durchgeführt und 2026 ausgewertet und veröffentlicht. Grundlage der Auswertung sind 15 Tiefeninterviews mit Lehrkräften und Schulleitungen aus unterschiedlichen Schulformen und schulischen Kontexten. Einbezogen wurden unter anderem Beschäftigte aus Grundschulen, Förderschulen sowie Gesamt- und Sekundarschulen. Die Interviews bilden unterschiedliche berufliche Rollen und schulische Rahmenbedingungen ab. Als qualitative Untersuchung dient die Befragung dazu, Erfahrungen, wiederkehrende Muster und Handlungsbedarfe sichtbar zu machen. Die Untersuchung erhebt keinen Anspruch auf statistische Repräsentativität.