Frauen machen etwa die Hälfte der Bevölkerung in Deutschland aus. Dennoch sind sie vom Bundestag bis in die Kreistage unterrepräsentiert. Das muss sich ändern. Jetzt.
„Der Status Quo der Ungleichheit ist nicht weiter tragbar“, betonte Milanie Kreutz, Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung und stellv. dbb-Bundesvorsitzende, am 28. Mai 2026. „Demokratie funktioniert am besten, wenn sie die Lebensrealitäten der Menschen widerspiegelt. Aber gerade dort, wo grundlegende Entscheidungen getroffen werden, sind Frauen nicht ausreichend vertreten. Deswegen braucht es Parität in allen Parlamenten und Gremien.“ Die dbb frauen stehen geschlossen hinter dieser Forderung.
Parität war auch ein zentrales Thema auf dem dbb bundesfrauenkongress im März 2026. Dort haben die Delegierten Parität mit einem Leitantrag ganz oben auf die Agenda der nächsten fünf Jahre gesetzt. Wie dringend Parität nötig ist, zeigt ein Blick in den Bundestag: Seit seiner Gründung saßen dort doppelt so viele Männer wie Frauen – oder mehr. Derzeit beträgt der Frauenanteil 32,4 Prozent. Damit ist er seit der letzten Legislaturperiode noch weiter gesunken. Auch in den Landesparlamenten, Kreistagen sowie in vielen Betriebs- und Personalräten sind Frauen unterrepräsentiert.
Die nächste Wahlrechtsreform müsse deshalb zur Paritätsreform werden: „Leider wurde bei der letzten Reform die Chance auf geschlechtergerechte Beteiligung verspielt. Im Gegenteil: Die Wahlrechtsreform hat der Parität mehr geschadet als gefördert. Daher muss Parität unbedingt Bestandteil der nächsten Reform werden“, forderte Kreutz. Parität in den Parlamenten bedeute keine Verluste, sondern Gewinne. Sie bringe vielfältigere Lebenserfahrungen und Perspektiven, wodurch sich ausgewogene Entscheidungen fällen ließen, erklärte Kreutz.
Parität müsse allerdings schon auf dem Wahlzettel anfangen: „Wir erleben zu häufig, dass Frauen seltener als Kandidatinnen nominiert werden. Die parteiinternen Verfahren zur Nominierung gleichen oft einer Blackbox“, so Kreutz. Für eine Nominierung seien weniger die Bereitschaft und Kompetenzen relevant, sondern meist Netzwerke, Sichtbarkeit und – schlicht und ergreifend – eine Menge Geld. Oft haben Frauen schlechtere Zugänge zu diesen Faktoren.
Genau da will die dbb frauen-Chefin ansetzen: „Wir müssen Mentoringprogramme und Frauennetzwerke aufbauen. Für den Politikbetrieb braucht es verbesserte Rahmenbedingungen, wie beispielsweise Sitzungszeiten, die mit der Sorgearbeit vereinbar sind oder mehr hybride Sitzungen.“ Und schließlich müssen auch die entscheidenden Positionen sichere Orte frei von Mobbing, Diskriminierung, verbaler und physischer Übergriffe werden.
„Wir stehen nicht nur vor einer Entscheidung zwischen Status Quo und Fortschritt, sondern auch, ob wir uns tiefer in einen Teufelskreis bewegen, oder nicht“, machte Kreutz klar. „Denn wenn Frauen sehen, dass ihr Engagement nicht wertgeschätzt wird und die politische Beteiligung für sie aussichtslos ist, werden immer weniger Frauen kandidieren. Dadurch schwinden ihre Stimme und Sichtbarkeit.
Der Verein Parité in den Parlamenten hat daher eine Petition gestartet, das Wahlrecht zu ändern, sodass der Frauenanteil im Bundestag 50 Prozent beträgt. Die dbb bundesfrauenvertretung unterstützt die Petition.