Bundesfamilienministerin Karin Prien will das Elterngeld von 14 auf zwölf Monate kürzen. Zudem sollen sich beide Elternteile länger an der Betreuung beteiligen.
Die dbb frauen blicken mit gemischten Gefühlen auf die diskutierten Reformen: „Es ist richtig, die Beteiligung von Vätern an der Kinderbetreuung stärken zu wollen. Aber Gleichstellung entsteht nicht am Reißbrett. Solange die Betreuungsinfrastruktur hinterherhinkt, müssen Familien durch ein starkes Elterngeld abgesichert werden“, betonte Milanie Kreutz, Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung und stv. dbb-Bundesvorsitzende, am 8. Juli 2026.
Zwar setzen die Reformen richtige gleichstellungspolitische Impulse, indem sie mehr Väterbeteiligung und eine partnerschaftlichere Aufteilung von Familien- und Erwerbsarbeit fördern sollen. „Es fehlt aber weiterhin vielerorts an ausreichend Kita- und Betreuungsangeboten. Eigentlich müsste das Elterngeld eher länger und flexibler gezahlt werden, statt Bezugszeiten zu verkürzen“, stellte Kreutz klar.
Wer Gleichstellung fördern will, müsse deshalb auch die strukturellen Voraussetzungen schaffen: verlässliche Kinderbetreuung, echte Wahlfreiheit für Familien und eine finanzielle Absicherung, die die Realität von Familien widerspiegelt.
Gerade vor dem Hintergrund des demografischen Wandels brauche Deutschland mehr Anreize für Familiengründungen, nicht weniger. Maßnahmen, die Familien verunsichern oder finanziell zusätzlich belasten, drohen die demografischen Herausforderungen weiter zu verschärfen.
Kreutz weiter: „Wer mehr Väterbeteiligung will, muss die finanziellen Hürden abbauen. Gerade für viele Familien sind Einkommenseinbußen noch immer ein wesentlicher Grund dafür, warum Väter nur kurze Elternzeiten in Anspruch nehmen.“
Die dbb frauen haben Verständnis dafür, dass auch der Staat angesichts der Haushaltslage sparen müsse. „Familienpolitik darf aber nicht nach dem Gießkannenprinzip gestaltet werden“, machte Kreutz klar.
Positiv sehen die dbb frauen, dass die über viele Jahre unveränderten Mindest- und Höchstbeträge des Elterngeldes zumindest ein bisschen angehoben werden sollen. „Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, bleibt aber deutlich hinter dem zurück, was Familien angesichts der inflationsbedingten Preisentwicklung der letzten Jahre brauchen“, so die dbb frauen-Chefin.