Die dbb frauen berlin haben gemeinsam mit den Frauenvertretungen der Berliner dbb-Mitgliedsgewerkschaften eine Kampagne gegen die Einschränkung der Teilzeit gestartet.
Von Silke Jonas
Die Idee für unsere Kampagne entstand nicht am Schreibtisch. Sie entwickelte sich im Fachausschuss der dbb Frauen Berlin aus den Berichten unserer Fachgewerkschaften. Schule, Polizei, Gericht, Verwaltung und Justizvollzug sind sehr unterschiedliche Arbeitswelten. Beim Thema Teilzeit zeigte sich jedoch schnell, wie viel sie miteinander verbindet.
Beschäftigte entscheiden sich aus ganz unterschiedlichen Gründen für Teilzeit. Sehr häufig geht es um Kinder, die Pflege von Angehörigen, andere Formen von Care-Arbeit oder darum, die eigene Arbeitsfähigkeit dauerhaft zu erhalten. Im Polizei- und Justizvollzugsdienst kommt eine besondere Herausforderung hinzu: Wer im Schicht- oder Dreischichtdienst arbeitet, muss wechselnde Dienstzeiten mit dem Familienleben vereinbaren. Teilzeit kann hier überhaupt erst ermöglichen, beides miteinander zu verbinden.
Auch aus den Schulen kam eine wichtige Erfahrung: Weniger Arbeitszeit bedeutet nicht automatisch weniger Arbeit. Unterricht ist nur ein Teil der tatsächlichen Aufgaben. Ähnliches berichten andere Bereiche. Verantwortung, organisatorische Aufgaben und Arbeitsmenge reduzieren sich nicht immer im gleichen Verhältnis wie die bezahlten Stunden. Teilzeit darf deshalb nicht nur auf dem Papier stattfinden. Wer Arbeitszeit reduziert, braucht auch ein entsprechend angepasstes Arbeitsvolumen.
Aus diesen unterschiedlichen Perspektiven entstand unser gemeinsamer Gedanke: Teilzeit ist keine Randfrage – sie prägt unsere Demokratie.
Mit unserer Kampagne wollen wir diese Arbeitsrealitäten sichtbar machen. Die beteiligten Fachgewerkschaften erhalten bewusst Raum für ihre eigene Perspektive. Poster, persönliche Beiträge und Social Media sollen zeigen, was Teilzeit beispielsweise für Lehrkräfte, Beschäftigte bei Polizei und Justiz oder Bedienstete im Justizvollzug konkret bedeutet. Am Ende führen diese unterschiedlichen Stimmen wieder zu einer gemeinsamen Botschaft zusammen.
Dabei beschäftigt uns besonders die aktuelle Diskussion über eine stärkere Begrenzung von Teilzeit. Angesichts des Fachkräftemangels erscheint uns das zu kurz gedacht. Ein öffentlicher Dienst wird nicht attraktiver, indem er Beschäftigten weniger Möglichkeiten bietet, ihre Arbeit an unterschiedliche Lebensphasen anzupassen. Im Gegenteil: Wer Menschen halten und neue Fachkräfte gewinnen möchte, braucht moderne und verlässliche Arbeitsmodelle.
Und genau an diesem Punkt wird aus einer arbeitszeitpolitischen Frage für uns auch eine Frage von Gleichstellung und Demokratie.
Freiwillige Teilzeit bedeutet Wahlfreiheit. Sie ermöglicht Menschen, Verantwortung im Beruf und Verantwortung im privaten Leben miteinander zu verbinden. Diese Freiheit sollten wir nicht zurückdrehen.
Unser Anliegen ist deshalb nicht „mehr Teilzeit um jeden Preis“. Unser Anliegen ist die Freiwilligkeit der Entscheidung, verbunden mit Arbeitsbedingungen, unter denen Teilzeit tatsächlich funktionieren kann.
Denn Teilzeit zu beschneiden, heißt auch, persönliche Freiheit zu beschneiden. Teilzeit zu ermöglichen heißt, Teilhabe und Gleichstellung zu ermöglichen – und damit einen starken, modernen öffentlichen Dienst zu erhalten.