• Zu sehen sind drei Würfel: Einer mit einer männlichen Figur, einer mit einer weiblichen. Der Würfel in der Mitte steht gekippt, ein Gleichheitszeichen und ein Ungleichheitszeichen sind zu sehen.

Frauen in Führungdbb frauen fordern Konsequenzen statt Absichtserklärungen

Die Bundesregierung hat den Bericht zur Wirksamkeit des Bundesgleichstellungsgesetzes vorgelegt. Das Ergebnis zeigt weiteren Handlungsbedarf auf.

Milanie Kreutz, Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung begrüßte am 29. Januar 2026, dass der Bericht selbstkritisch in der Analyse der Umsetzung des Bundesgleichstellungsgesetzes sei und machte zugleich deutlich, dass aus ihrer Sicht weitere Schritte erforderlich sind: „Wer sich selbst Ziele setzt, muss sich auch an ihnen messen lassen. Der Bericht zeigt: Die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen an Führungspositionen im Bund wurde bis 2025 nicht erreicht. Jetzt braucht es Konsequenzen statt weiterer Absichtserklärungen.“

Der Bericht zeige eine Bewegung in die richtige Richtung, aber noch eine große Lücke bis zur Gleichstellung. „Dass der Frauenanteil mit jeder höheren Führungsebene sinkt, ist Ausdruck eines strukturellen Problems“, erklärte Kreutz. „Wer heute noch glaubt, es regle sich von selbst, ignoriert die Fakten dieses Berichts. Solange Frauen in den Spitzenpositionen der Bundesverwaltung nicht gleichberechtigt vertreten sind, bleibt der Anspruch des Bundes hinter der Realität zurück. Fortschritte sind nun Mal kein Ersatz für Parität.“

Gleichstellungspläne stärker als Steuerungsinstrument nutzen

Kreutz weiter: „Das Bundesgleichstellungsgesetz (BGleiG) ist ein starkes Instrument. Doch seine Wirkung hängt davon ab, ob es als verbindliche Leitlinie oder als formale Pflicht verstanden wird. Zu oft erleben wir Letzteres.“ Der Bericht mache deutlich, dass das BGleiG zwar wirke, seine Instrumente jedoch häufig zu formal angewendet werden.

Konkret bedeute das, dass Gleichstellungspläne vielerorts als Pflichtübung behandelt werden, statt als verbindliches Steuerungsinstrument für Personalentwicklung und Organisationskultur genutzt zu werden. Zudem seien Auswahlverfahren, Beurteilungen und Beförderungen weiterhin nicht frei von strukturellen Verzerrungen.

„Gleichstellungspläne dürfen kein administratives Ritual sein,“ betonte Kreutz. „Sie müssen strategisch eingesetzt werden, mit klaren Zielen, überprüfbaren Maßnahmen und echter Verantwortung auf Führungsebene. Gleichzeitig sind Leistungsbeurteilungen ein zentrales Nadelöhr für Karrieren.“ Wenn Frauen dort seltener Spitzenbewertungen erhalten, sei das ganz sicher kein Zufall. Frauen werden zwar häufiger eingestellt, aber nicht im gleichen Maße befördert. Der Bericht mache deutlich, dass der Aufstieg noch immer langsamer und unsicherer verläuft. „Wir dbb frauen weisen seit Jahren darauf hin, dass bestehende Bewertungskriterien strukturelle Benachteiligungen reproduzieren und dringend überarbeitet werden müssen.“

Ein Blick in die Staatsmodernisierungsagenda der Bundesregierung unterstreicht diese Einschätzung. Dort beschreibt die Bundesregierung selbst die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen weiterhin als gesetzliches Ziel und verweist auf geplante Maßnahmen wie Monitoring, ressortübergreifenden Austausch, Mentoringprogramme und den Ausbau von Führungsmodellen in Teilzeit.

„Die Bundesregierung hat sich in der Staatsmodernisierungsagenda klare Ziele und sinnvolle Instrumente gesetzt. Der Bericht zeigt nun sehr transparent, wo wir auf dem Weg dorthin stehen“, erklärte die Vorsitzende. „Genau darin liegt die Chance: Die Lücke zwischen Anspruch und Umsetzung ist sichtbar und kann jetzt gezielt geschlossen werden. Entscheidend wird sein, die gesetzten Ziele künftig noch verbindlicher zu hinterlegen und konsequent nachzuhalten.“

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