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Gender-Care-Gap: Sorgearbeit gerecht zwischen Männern und Frauen verteilen

Väter verbringen mehr Zeit mit Kinderbetreuung als vor zehn Jahren – aber weiterhin eine Stunde weniger als Mütter. Das schränkt die Chancengleichheit am Arbeitsmarkt ein.

„Es ist eine zentrale Aufgabe, Carearbeit, Sorgearbeit gerecht zwischen Männern und Frauen zu verteilen“, betonte die stv. dbb Bundesvorsitzende und Vorsitzende der dbb Bundesfrauenvertretung Milanie Kreutz am 7. Mai 2024. „Wir brauchen starke staatliche Rahmenbedingungen, wie flexible Arbeitszeitmodelle - da sind wir in vielen Bereichen schon relativ weit -, steuerliche Anreize für Familien - da sind wir bisher nicht so weit -, verbesserte Kinderbetreuungsangebote und natürlich auch Pflege- und Betreuungsangebote für ältere Menschen in unserer Gesellschaft. Nur so schaffen wir es, dass diese wahnsinnige Last nicht nur zu größten Teilen von den Frauen getragen wird.“ Frauen wenden pro Tag 43 Prozent oder 79 Minuten mehr Zeit mit unbezahlter Sorgearbeit auf als Männer. Das beinhaltet Aufgaben wie Kindererziehung, Pflege von Angehörigen und Hausarbeit. „Diese Carearbeit geht natürlich häufig mit einer Teilzeitbeschäftigung einher“, erklärte Kreutz. „Denn unser Tag hat nur 24 Stunden. Wenn Kinderbetreuung ungleich auf Frauen abgewälzt wird, bezahlen sie das oft nicht nur mit ihrer Zeit, sondern auch mit ihrer Karriere. Wir müssen dieses Ungleichgewicht angehen, um echte Chancengleichheit am Arbeitsplatz zu schaffen.“ Der Gender-Care-Gap führe zu wirtschaftlichen Nachteilen für Frauen in Bezug auf Entlohnung, berufliche Chancen und Alterssicherung.

Kurz vor dem Vatertag am 9. Mai hatte das Statistische Bundesamt bekannt gegeben, dass Väter in Deutschland im Schnitt eine Stunde und 19 Minuten pro Tag für Kinderbetreuung aufwenden. Das ist eine knappe halbe Stunde mehr als noch vor zehn Jahren. Kreutz begrüßte die leichte Verbesserung in der Geschlechterverteilung, gab aber zu bedenken, dass Frauen weiterhin 2 Stunden und 18 Minuten pro Tag – also fast eine Stunde mehr – für die Kinderbetreuung aufwenden. „Am Vatertag feiern wir nicht nur die Freuden der Vaterschaft, sondern erinnern uns auch daran, dass echte Vaterschaft bedeutet, sich täglich aktiv in die Kindererziehung einzubringen“, hob die dbb Vize hervor. Es sei ermutigend zu sehen, dass Väter heute mehr Zeit mit Kinderbetreuung verbringen. Doch Mütter investieren statistisch gesehen immer noch mehr Zeit in die Betreuung ihrer Kinder. Kreutz weiter: „Das zeigt uns, dass Gleichstellung in den eigenen vier Wänden für viele immer noch eine Herausforderung darstellt. Fortschritt hin oder her – von einem Gleichgewicht sind wir noch weit entfernt.“ 

„Die Aufteilung der Kinderbetreuung kann und soll nicht als eine rein private Regelung gesehen werden“, machte Kreutz deutlich. Sie sei eine gesellschaftliche Notwendigkeit, die durch politische Maßnahmen und betriebliche Initiativen unterstützt werden müsse. „Politik und Arbeitgebende spielen eine entscheidende Rolle dabei, Eltern bei der fairen Aufteilung von Sorgearbeit zu unterstützen. Es ist ihre Verantwortung, Modelle zu schaffen, die es beiden Elternteilen ermöglichen, sich gleichermaßen in die Kindererziehung einzubringen.“ Als Beispiele nannte sie mobiles Arbeiten, flexible Arbeitszeiten, Job-/Top-Sharing oder Bildungsprogramme am Arbeitsplatz, die Stereotype über Geschlechterrollen abbauen und eine Kultur der Gleichstellung fördern.

 

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