Kinder schützen – Zukunft sichernDigitaler Jugendschutz braucht klare Leitplanken
Die Spitze der dbb bundesfrauenvertretung war vor Ort auf dem Kongress „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“ der CDU/CSU-Bundestagsfraktion vertreten.
„Wir wollen Schutz, Befähigung und Teilhabe für unsere Kinder“, betonte Milanie Kreutz, Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung und stellv. dbb-Bundesvorsitzende am 23. April 2026 im Anschluss an den Kongress. „Kinder- und Jugendschutz im digitalen Raum kann nur gelingen, wenn diese drei Aspekte gemeinsam gedacht werden. Kinder und Jugendliche müssen vor Gefahren im Netz geschützt werden, gleichzeitig aber auch die Kompetenzen erwerben, sich sicher und selbstbestimmt in digitalen Räumen zu bewegen. Zugleich darf ihnen die Teilhabe an der digitalen Welt nicht verwehrt werden.“ In diesen Punkten waren sich die Teilnehmenden auf dem Kongress einig
Denn die Studien und Berichte zeichnen ein alarmierendes Bild: Exzessive Nutzung sozialer Medien führt zu Schlafmangel, Konzentrationsproblemen und kann suchtähnliches Verhalten fördern. Rund jedes vierte Kind zeigt ein riskantes Nutzungsverhalten. Insgesamt betrifft das etwa 1,4 Millionen junge Menschen in Deutschland. Gleichzeitig nehmen Cybermobbing, digitale Gewalt und der Einfluss problematischer Rollenbilder sowie extremistischer Inhalte zu. Besonders betroffen sind häufig Mädchen und junge Frauen. Der digitale Kinder- und Jugendschutz ist daher auch eine arbeits- und gleichstellungspolitische Frage.
Bildung ist der Schlüssel
Für Kreutz ist klar: „Der öffentliche Dienst spielt bei der Sicherheit in digitalen Räumen eine Schlüsselrolle. Denn Beschäftigte in Schulen, Verwaltungen, Jugendhilfe und Gesundheitswesen sind täglich mit den Auswirkungen digitaler Medien konfrontiert.“ Tanja Küsgens, stellvertretende Vorsitzende der dbb frauen und Bundessprecherin der Frauenvertretung des Verbands Bildung und Erziehung, ergänzte: „Insbesondere die Beschäftigten in der Bildung können hier viel bewegen. Lehrerinnen und Lehrer vermitteln Medienkompetenz und erkennen frühzeitig problematische Entwicklungen. Fachkräfte in der Jugendhilfe unterstützen betroffene Familien, während Verwaltung und Aufsichtsbehörden für die Umsetzung und Weiterentwicklung rechtlicher Rahmenbedingungen verantwortlich sind. Gerade Frauen tragen hier vielfach Verantwortung – sowohl beruflich als auch im familiären Umfeld.“
Vor diesem Hintergrund brauche es gezielte Unterstützung für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst, insbesondere durch bessere Ausstattung, Fortbildungsangebote und klare rechtliche Leitplanken. Gleichzeitig müssen bestehende Regelungen wie der Digital Services Act konsequent umgesetzt und Plattformbetreiber stärker in die Pflicht genommen werden. Die Diskussion über ein Mindestalter für soziale Medien werde dabei als ein möglicher Baustein gesehen, kann jedoch allein keine ausreichende Lösung darstellen.
Das Internet ist kein rechtsfreier Raum
Zugleich wurde betont, dass der Rechtsstaat auch gegen digitale Gewalt handlungsfähig sein müsse. Das Internet dürfe kein rechtsfreier Raum sein. Maßnahmen wie die geplante Speicherung von IP-Adressen können dazu beitragen, insbesondere schwere Straftaten wie sexuellen Kindesmissbrauch effektiver zu verfolgen. Ein zentrales Signal ging auch von den beteiligten Jugendlichen selbst aus: Sie fordern Schutz – aber nicht auf Kosten ihrer Teilhabe. Diese Perspektive muss stärker in politische Entscheidungen einfließen.
Hintergrund:
Auf Einladung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion hatten Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Praxis auf dem Fraktionskongress über die zunehmenden Herausforderungen digitaler Medien für junge Menschen diskutiert. Die dbb bundesfrauenvertretung wird die weiteren politischen Initiativen zum Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt aufmerksam begleiten und sich dafür einsetzen, dass zukünftige Regelungen sowohl Kinderrechte als auch gute Rahmenbedingungen für die Beschäftigten in den Blick nehmen.





