Absicherung von Tag eins anFamilienstartzeit: Wichtiger Impuls für Familien, aber kein Ersatz für Elterngeld
Das BMBFSFJ plant, den Elterngeldbezug um zwei Monate zu kürzen, um Sparvorgaben einzuhalten. Von den SPD-Frauen kommt jetzt ein vielversprechender Gegenvorschlag.
Milanie Kreutz, Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung und stv. dbb Bundesvorsitzende begrüßte am 16. September 2026 die Idee einer vierwöchigen Familienstartzeit: „Die Familienstartzeit ist und bleibt ein sinnvoller familien- und gleichstellungspolitischer Baustein. Sie kann dazu beitragen, Eltern unmittelbar nach der Geburt zu entlasten und eine partnerschaftliche Aufteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit von Anfang an zu fördern.“
Als Ausgleich für eine Verkürzung des Elterngelds reiche sie jedoch nicht aus. Familien brauchen Unterstützung in den ersten Tagen nach der Geburt ebenso wie eine verlässliche finanzielle Absicherung bis zum Ende der Elternzeit.
„Vor dem Hintergrund der aktuellen Haushaltsdiskussionen ist es sinnvoll, nach Wegen zu suchen, die Auswirkungen möglicher Kürzungen beim Elterngeld für Familien zumindest teilweise abzufedern“, so Kreutz. „Die vorgeschlagene Familienstartzeit kann einen wichtigen Beitrag leisten, um Eltern unmittelbar nach der Geburt zu unterstützen und eine partnerschaftliche Aufteilung von Familien- und Erwerbsarbeit zu fördern.“
So soll es funktionieren: Die SPD steht Kürzungen beim Elterngeld kritisch gegenüber. Die Familienstartzeit soll deshalb die Auswirkungen der Kürzungen ein Stück weit abmildern. Gleichzeitig soll das den Bundeshaushalt entlasten, indem die Familienstartzeit über das Umlageverfahren U2 finanziert werden soll. Damit ist die Pflichtversicherung aller Arbeitgebenden gemeint, finanzielle Aufwendungen bei Schwangerschaft und Mutterschaft auszugleichen.
Familienstartzeit kann Elterngeld nicht ersetzen
Zugleich darf nicht übersehen werden, dass die Familienstartzeit und das Elterngeld unterschiedliche Zwecke erfüllen: Die Familienstartzeit unterstützt Eltern unmittelbar nach der Geburt eines Kindes. Die geplante Verkürzung des Elterngelds hätte ihre Auswirkungen dagegen vor allem gegen Ende des ersten Lebensjahres.
Und genau in dieser Phase stehen viele Familien bereits heute vor erheblichen Herausforderungen: Der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz besteht zwar ab dem ersten Geburtstag, tatsächlich fehlen jedoch vielerorts Betreuungsplätze und zusätzliche Zeit für die Eingewöhnung muss ebenfalls eingeplant werden.
Die dbb frauen-Chefin gab deswegen zu bedenken: „Wird der Elterngeldbezug verkürzt, vergrößert sich die finanzielle und organisatorische Betreuungslücke für viele Familien. Eine Familienstartzeit kann diese Lücke nicht schließen, weil sie zu einem anderen Zeitpunkt ansetzt.“
Viele kleine Verbesserungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf
Positiv bewerten die dbb frauen zugleich die Überlegungen zu einem Steuerbonus für Eltern, die Erwerbs- und Sorgearbeit partnerschaftlich aufteilen. Auch zusätzliche Care-Tage für Kita-Eingewöhnung, Einschulung oder familiäre Krisensituationen können die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessern und Familien im Alltag wirksam entlasten. „Familien brauchen gute Unterstützung rund um die Geburt ebenso wie eine verlässliche Absicherung während der gesamten Elternzeit“, hob Kreutz hervor.
Die dbb frauen setzen sich seit langem gegen Kürzungen beim Elterngeld und für eine Familienstartzeit ein. Bereits 2023 hatten sich die dbb frauen für die Einführung einer Familienstartzeit ausgesprochen – zuletzt gab es auf dem dbb bundesfrauenkongress 2026 einen ähnlichen Antrag.





