EhegattensplittingKreutz: „Der Arbeitsmarkt muss attraktiver sein als der Heiratsmarkt“
In der CDU werden Stimmen lauter, die eine Reform des Ehegattensplittings fordern. Die dbb frauen begrüßen diese Entwicklung und haben konkrete Vorstellungen zu den Änderungen.
Für Milanie Kreutz, Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung und stellv. dbb-Bundesvorsitzende, ist es ein wichtiges Signal, dass nun auch aus der CDU neue Impulse zur Zukunft des Ehegattensplittings kommen: „Die Mittelstands- und Wirtschaftsunion hat mit ihrer Aussage zur 'Lifestyle-Teilzeit' das Thema ins Spotlight gerückt, jetzt muss sie handeln. Statt nur über ‚Lifestyle‘ zu reden, muss sie endlich strukturelle Veränderungen anpacken. Der Arbeitsmarkt muss attraktiver sein als der Heiratsmarkt.“
Bundesfamilienministerin Prien bringe eine Diskussion innerhalb ihrer Partei in Bewegung, die hierzulande längst überfällig sei. „Diese Dynamik sollte jetzt überparteilich genutzt werden, um die Familienbesteuerung so weiterzuentwickeln, dass geschlechtergerechte Steuermodelle und die Lebensrealität moderner Familien besser berücksichtigt werden“, forderte Kreutz am 10. März 2026. Die von Prien vorgeschlagene Abschaffung der Steuerklassen 3 und 5 könne allerdings nur ein erster Schritt sein.
Deutscher Sonderweg ist schwer vermittelbar
Denn im europäischen Vergleich stehe Deutschland mit seinem Ehegattensplitting inzwischen ziemlich allein da. „In den meisten europäischen Staaten werden Partnerinnen und Partner individuell besteuert oder es gibt nur begrenzte steuerliche Vergünstigungen für Ehepaare“, erklärte Kreutz. „Selbst die Schweiz hat sich kürzlich in einem Volksentscheid auf den Weg gemacht, die steuerliche Benachteiligung von Zweitverdienenden abzuschaffen. Das zeigt, dass sich die Steuerpolitik in Europa zunehmend an der Erwerbstätigkeit beider Partner orientiert. Es ist schwer vermittelbar, dass Deutschland hier weiterhin hinterherläuft.“
Das derzeitige Ehegattensplitting setze ökonomische Anreize, die insbesondere Zweitverdienende von einer Ausweitung ihrer Erwerbstätigkeit abhalten. Davon seien in der Praxis häufig Frauen betroffen, kritisierte die dbb frauen-Chefin. „Aus unserer Sicht muss eine Reform der Familienbesteuerung vor allem die Benachteiligung von Müttern beseitigen. Darüber hinaus muss sie die Situation von Kindern verbessern“, erklärte sie. „Entscheidend ist, dass staatliche Leistungen Kinder unabhängig vom Einkommen der Eltern gleichermaßen absichern. Gleichzeitig gilt: Paare, die ihre Lebensplanung auf Grundlage der bisherigen Regeln getroffen haben, dürfen nicht nachträglich benachteiligt werden. Deshalb braucht jede Reform einen klaren Vertrauensschutz für bestehende Ehen.“
Kreutz weiter: „Wenn die CDU jetzt eine ehrliche Debatte über die Weiterentwicklung der Familienbesteuerung führt, ist das eine Chance. Entscheidend wird sein, eine Lösung zu finden, die Gleichstellung stärkt und Familien insgesamt besserstellt, und zwar unabhängig davon, ob Eltern verheiratet sind oder nicht.“
Denn seitdem das Splitting 1958 eingeführt wurde, habe sich die gesellschaftliche Realität verändert, so Kreutz: „Viele Familien leben heute andere Erwerbsmodelle als noch vor Jahrzehnten. Es ist deshalb zu begrüßen, dass auch innerhalb der CDU darüber nachgedacht wird, wie die Familienbesteuerung an diese Realität angepasst werden kann.“





