Equal Care Day 2026Kreutz: Lifestyle-Debatte sollte mehr als eine kurze Empörung bedeuten
Die strukturelle Ungleichheit bei der Verteilung von Sorgearbeit und die aktuelle Teilzeit-Debatte zeigen: Wir haben noch einen weiten Weg vor uns.
Frauen tragen weiterhin den Großteil der unbezahlten Care-Arbeit. Das hat weitreichende Folgen für ihre Erwerbs- und Lebensperspektiven. Konkret liegt der Gender Care Gap derzeit bei 43,4 Prozent. In einer Woche leisten Frauen somit im Schnitt acht Stunden und 52 Minuten mehr Care-Arbeit als Männer. Müssen sie Kinder betreuen, steigt die Diskrepanz auf 14 Stunden und 20 Minuten.
„Wir beobachten wir mit großer Sorge, wie der Rechtsanspruch auf Teilzeit infrage gestellt wird“, erklärte Milanie Kreutz, Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung und stellvertretende dbb-Bundesvorsitzende, am 1. März 2026 anlässlich des Equal Care Days. „Eine Debatte, die Teilzeitarbeit pauschal kritisiert, blendet die realen Gründe aus: fehlende Betreuungsangebote, mangelnde Vereinbarkeit von Beruf und eben Sorgearbeit.“
Die jüngsten Diskreditierungen der Teilzeit als „Lifestyle“ hält sie deswegen für unangebracht: „Die neun Stunden Care-Arbeit mehr, die Frauen pro Woche leisten, sind ein vollständiger Arbeitstag. Wer in Teilzeit geht, um Sorgearbeit zu leisten, macht das nicht, um weniger zu arbeiten.“ Wer die Erwerbstätigkeit für Sorgearbeit runterfährt oder einstellt, habe langfristig eine geringerer Erwerbsbeteiligung, finanzielle Nachteile und dadurch ein größeres Risiko für Altersarmut. „Das hat doch nichts mit Lifestyle zu tun“, stellte Kreutz klar.
Für eine langfristige Gleichstellungspolitik
Stattdessen müsse Care-Arbeit als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden und politisch verankert werden: „Wir fordern eine langfristig durchdachte Gleichstellungspolitik: Mehr Elterngeldmonate für Väter, Familienstartzeit und steuerfinanzierte Lohnersatzleistungen für Pflegezeiten. Darüber hinaus braucht es flexible Arbeitszeitmodelle, die sich an den individuellen Bedürfnissen orientieren und nicht umgekehrt“, betonte Kreutz. Ebenso wesentlich sei der konsequente Ausbau von Bildungs- und Betreuungsinfrastruktur, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu stärken und Fachkräftemangel wirksam zu begegnen.





