• Blick in einen gefüllten Konferenzraum
    Impressionen von der Hauptversammlung der dbb frauen am 5. und 6. November 2026 in Berlin

Hauptversammlung der dbb frauenParität ist eine Frage politischer Qualität

Derzeit trifft die Politik Entscheidungen mit Konsequenzen für den Lebensalltag aller Bürgerinnen und Bürger. Auf die Stimmen der Frauen wird aber erst im Anschluss gehört.

„Gute Politik entsteht nicht dadurch, dass Fehlentwicklungen im Nachhinein korrigiert werden. Sie entsteht, wenn unterschiedliche Perspektiven von Anfang an in Entscheidungen einfließen“, betonte Milanie Kreutz, Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung und stv. dbb Bundesvorsitzende, am 5. November 2026 auf der Hauptversammlung der dbb frauen in Berlin. „Solange Frauen an den politischen Entscheidungstischen nicht gleichberechtigt vertreten sind, bleibt wichtiges Wissen ungenutzt. Parität ist deshalb auch eine Frage politischer Qualität.“  

Immer nachbessern ist keine Strategie

In den letzten Monaten habe sich ein problematisches Muster gezeigt: Regelungen werden geplant, die besonders für Frauen negative Auswirkungen haben. Und erst nachdem Frauenverbände und Interessenvertretungen deutlich auf die Folgen aufmerksam machen, wird nachgebessert. Als Beispiele nannte Kreutz das Elterngeld und den Unterhaltsvorschuss. Bei beiden wurden geplante Kürzungen erst nach deutlicher Kritik wieder zurückgenommen. 

Aber: „Wir können nicht bei jeder politischen Entscheidung darauf hoffen, dass Frauenverbände rechtzeitig die Notbremse ziehen“, erklärte die dbb frauen-Chefin. „Die Perspektiven von Frauen gehören dorthin, wo Weichen gestellt werden. Parität sorgt dafür, dass die Sichtweisen nicht nachträglich eingefordert werden müssen, sondern von Anfang an Teil der Entscheidung sind.“ 

An sich sei es ein gutes Zeichen, wenn Kritik aufgenommen und politische Vorhaben korrigiert werden. Noch besser wäre es allerdings, wenn absehbare Folgen für Frauen bereits berücksichtigt würden, bevor politisch umgesteuert werden muss. „Solche unnötigen Korrekturschleifen werden nun mal vermieden, wenn unterschiedliche Lebensrealitäten bereits bei der Entwicklung politischer Vorhaben stärker einbezogen würden“, machte Kreutz deutlich.  

Die Hälfte der Bevölkerung wird ausgeblendet 

Frauen sind dort, wo politische Entscheidungen vorbereitet und getroffen werden, nach wie vor nicht gleichberechtigt vertreten. Kreutz: „Genau deshalb ist Parität keine Nebensache und erst recht keine reine Frage der Symbolik. Gerade in einer Zeit, in der schwierige Entscheidungen getroffen werden müssen, können wir es uns nicht leisten, auf die Erfahrungen, das Wissen und die Perspektiven der Hälfte der Bevölkerung zu verzichten.“ 

Es gehe nicht darum, Frauen pauschal eine bestimmte politische Haltung zuzuschreiben. „Aber unterschiedliche Erfahrungen und Lebensrealitäten beeinflussen nun mal, welche Fragen gestellt, welche Folgen mitgedacht und welche Probleme frühzeitig erkannt werden“, unterstrich Kreutz. 

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